Alphabetisierung

Der Verein Danaida bietet seit 1995 Alphabetisierungskurse für Migrantinnen an. Das Interesse an den Kursen ist sehr groß, die meisten Teilnehmerinnen stammen aus der Türkei, großteils Kurdinnen, aber auch aus Ägypten, Marokko, Indien und Thailand kommen Frauen und möchten "endlich" Lesen und Schreiben lernen.

Lesen - und Schreibenlernen muss mehr beinhalten als die Beherrschung spezieller Techniken. Das Lernen im Kurs soll eine aktive Auseinandersetzung der Frauen mit ihrer Umwelt und sich selbst fördern und als ein Prozess der Bewusstseinsbildung begriffen werden.
Wichtige Aspekte dabei sind:

  • Integration von Persönlichkeits- und Wissensbildung
  • Prozessorientierung
  • Ansetzen am Wissen und an Erfahrungen der Teilnehmerinnen
  • Einbeziehung der persönlichen/familiären Situation
  • Alltags- und Lebensweltorientierung
  • Schwerpunkt auf Thematisierung frauenspezifischer Lebenszusammenhänge und Themenstellungen
  • Handlungsorientierung
  • Lernen als Prozess der Bewusst-Werdung und Möglichkeit der Veränderung,

Da auf allen Ebenen verbaler Kommunikation unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten entweder vorausgesetzt bzw. erreicht werden sollen, erscheint es sinnvoll, die Zielsetzungen jeder Ebene aufzugliedern.

Mündlicher Spracherwerb

Hier geht es darum, die Teilnehmerinnen mit keinen oder geringen Vorkenntnissen dahingehend zu schulen, dass sie in die Lage versetzt werden, sich in elementaren Alltagssituationen verständigen und eigene Bedürfnisse ausdrücken zu können. Auf lexikalischer Ebene muss akustisch ein Grundwortschatz erarbeitet werden, dazu sollten Wort- und Satztypen unterschieden werden können, denn es ist z. B. für eine reibungslose Verständigung unerläßlich, Fragesätze von Aufforderungen unterscheiden zu können. Diese Unterscheidung reicht jedoch allein nicht aus, es müssen zumindest die wichtigsten bedeutungstragenden Elemente verstanden werden, um eine angemessene Reaktion auszulösen.
Bei Teilnehmerinnen mit fortgeschritteneren mündlichen Deutschkenntnissen geht es in erster Linie darum, eingelernte Fehler auf morphologischer und syntaktischer Ebene zu korrigieren.
Ansonsten liegt in dieser Gruppe der Schwerpunkt eindeutig beim Schreiben und Lesen.

Die Schreib- und Lesefertigkeit erfordert ein Training des Hörens, Sprechens, Schreibens und Lesens, wobei folgende Fähigkeiten erworben werden sollen:

Hören und Sprechen

Festigung der Phonem- bzw. Phonemgruppenunterscheidung
Die akustische Unterscheidung von Phonemen und Phonemgruppen ist die Voraussetzung, um diese auch angemessen aussprechen zu können; dabei ist es wichtig, das gedehnte Aussprechen von Wörtern zu trainieren, um die Teilnehmerinnen auf das Synthetisieren beim Lesen vorzubereiten.

Lesen und Schreiben

An Lese- und Schreibfertigkeit sollen die Teilnehmerinnen lernen:
alle Grapheme und Graphemgruppen des Deutschen zu identifizieren, (z.B.: es müssen die Unterschiede zwischen ähnlichen Formen erkannt werden <n> versus <h> usw.)

die phonematische Entsprechung zu den Graphemen zu erkennen, das bedeutet, dass nicht nur einzelne Buchstaben abgemalt werden, sondern dass sie auch richtig ausgesprochen werden.

Grapheme und Graphemgruppen sicher und zügig schreiben, dies setzt bei sehr ungeübten Schreiberinnen eine Reihe von feinmotorischen Übungen voraus.

Synthetisieren von Buchstaben: hier beginnt der eigentliche Leseprozeß, denn es müssen einzelne Grapheme zu einem Wort verbunden werden. Mit dem Lesen kann schon begonnen werden, wenn erst einige Buchstaben bekannt sind (z.B.: Tee, Tasse, Bad...... ). Die Teilnehmerinnen sollten diese Wörter nicht nur buchstabieren, was nach der Einführung von einzelnen Buchstaben automatisch geschieht, sondern zu einem Ganzen synthetisieren.

Grundzüge der Groß- und Kleinschreibung beachten, d.h. keine Großbuchstaben im Wortinneren.

persönliche Daten schriftlich angeben (Name, Adresse, Alter usw.)
einfache kurze Sätze und Texte lesen, schreiben und verstehen.


Schreiben am Computer

Anfänglich waren viele Teilnehmerinnen überrascht, dass der Umgang mit dem Gerät, das in ihren Augen nur etwas für Fachleute und Jugendliche war, gar nicht so kompliziert war. Sie konnten damit vieles schreiben, es später auf Papier vor sich sehen und für weitere Übungen verwenden. Zweck der Verwendung des Computers war es einerseits, Groß- und Kleinbuchstaben zu üben, da die Tastatur nur Großbuchstaben aufweist, andererseits, ihnen die Scheu vor der modernen Technik zu nehmen. Wesentlich ist jedoch auch, dass Geschriebenes ohne sichtbare Spuren korrigiert werden kann und das Ergebnis daher immer schön aussieht. Wenn die von den TN geschriebenen Texte oder Wörter wieder in Übungen einfließen, werden ihre Produkte auch anerkannt und die Frauen haben das Gefühl, einen Beitrag zum Kursgeschehen zu leisten, der entsprechend gewürdigt wird.
Wichtig ist aber auch der Einsatz des Computers für spielerisches Lernen, mit einfachen Lese- und Schreibspielen kann das Erlernte mit viel Spass geübt und gefestigt werden.

NETZWERK - MIKA
Danaida arbeitet im Netzwerk MIKA bestehend aus VHS-Ottakring, VHS-Linz, Verein MAIZ (Linz), Frauenservice Graz, Frauen aus allen Ländern (Innsbruck) und dem Integrationshaus (Wien) mit. Der Schwerpunkt des Netzwerkes liegt in der Kompetenzausweitung und Qualifizierung von Lehrenden in der Erwachsenenbildung und speziell in der Alphabetisierung mit MigrantInnen.
Wir werden dazu in den nächsten Jahren verschiedene Weiterbildungsworkshops zur Arbeit in der Alphabetisierung mit MigrantInnen, sowie PC-Fortbildung für TrainerInnen anbieten. Sollten Sie Interesse an diesen Fortbildungen haben, schicken Sie ein kurzes Mail und wir werden Sie gerne über die aktuellen Termine auf dem Laufenden halten.

Anmeldung: Tel: (0316) 71 06 60, danaida@aon.at
weitere Informationen: www.netzwerkmika.at

Dieses Projekt wird aus Mitteln von und gefördert.


Verein DANAIDA, Marienplatz 5, A-8020 Graz, Tel.: ++43(0316) 71 06 60 FAX: DW 13